Silvesterbräuche auf der ganzen Welt – Eine Reise durch fünf Kulturen

Wussten Sie, dass Silvester bei uns ursprünglich zu Ehren von Papst Silvester I gefeiert wurde? Seine Amtszeit von 314 bis 355 n. Chr. läutete das langersehnte Ende der Christenverfolgung ein. Als Dank und aus Verbundenheit für die gewonnene Religionsfreiheit wurde der verstorbene Papst schon kurz nach seinem Tod heiliggesprochen und das Silvesterfest fand seine Wurzeln. Doch was wird eigentlich in anderen Ländern gefeiert und wie sieht der Silvesterabend auf der anderen Erdseite aus?

Taiwan
In Taiwan wird mit Silvester der wichtigste Feiertag des gesamten Jahres zelebriert. Viele Menschen heben sich für diesen Anlass gerne ihren ganzen Jahresurlaub auf. Doch das nicht etwa, wie wir es kennen, am 31. Dezember. Die Taiwaner feiern das neue Jahr seit der Einführung ihres gregorianischen Kalenders zwischen dem 21. Januar und 21. Februar. Das genaue Datum wird vom zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende festgelegt.
Die Feiernden ziehen sich für dieses große Ereignis natürlich auch ganz besonders an. Traditionelle, dekorative Kleidung in Rottönen soll, laut alten Mythen, böse Geister vertreiben. Für diesen Zweck machen die Menschen in Taiwan an Silvester auch besonders gerne Krach. Mit Trommeln und Feuerwerk möchten sie sich vor erwachenden Monstergestalten schützen. Natürlich endet das Silvesterfest in Taiwan nicht an einem Abend. Ein alter Glaube besagt, dass man bei genauem Hinsehen Himmelsgeister im Mondlicht erblicken kann. Um die Nacht zu erhellen und damit die Suche nach den kleinen Geistern zu erleichtern, feiert man nach taiwaner Silvestertradition fünfzehn Tage lang das Laternenfest. Begleitet von traditionellen Tänzen erleuchten die Straßen mit bunt verzierten Lampions. Einmal unter einer Himmelsdecke aus scheinenden Laternen zu spazieren ist auch für Touristen zurecht ein immer beliebter werdendes Reiseziel.

Äthiopien
Wer glaubt, Zeitreisen seien nicht möglich, war vermutlich noch nie in Äthiopien. Der nordafrikanische Staat liegt bei seiner Zeitrechnung nämlich ganze sieben Jahre und acht Monate hinter uns. Nicht nur das. In Äthiopien hat das Jahr 13 Monate, wobei der letzte Monat im Jahr mit lediglich fünf bis sechs Tagen recht kurz erscheint. Das bedeutet, in Äthiopien wird Silvester, oder wie sie es nennen: Enkutatash, also bereits am 11. September gefeiert. Zeitgleich wird das Ende der Regenzeit eingeläutet und Johannes der Täufer als Prophet geehrt. Üblicherweise kommt an diesem Tag die Familie zusammen, Kinder pflücken Blumen auf den Feldern und dekorieren mit den frischen Sträußen für das bevorstehende Jahr das Haus.
Von ihren Eltern erhalten sie kleine Präsente, häufig Kleider. Bleigießen und Feuerwerk sucht man hier vergebens. Dafür wird viel gebetet. Drei Tage lang dauern die freudigen Prozessionen an.

Argentinien
Wenn die Menschen in Argentinien Silvester feiern, können sie das in kurzen Hosen und T-Shirts. Denn auf der Südhalbkugel ist zu diesem Zeitpunkt der Sommer auf Hochtouren. Für eine winterliche Stimmung sorgen die Argentinier trotzdem. Den Abend verbringen Familien und Freunde gut gelaunt an einem reichlich gedeckten Buffets oder auf Tanzveranstaltungen. Es wird feuchtfröhlich gelacht und gefeiert.
Um Mitternacht kommt man dann auf den Balkonen und Flachdächern der Häuser zusammen. Einer, der traditionsreichen Silvesterbräuche verlangt in Argentinien, Papier zu zerknüllen und so lange herunterzuwerfen, bis die Straßen weiß bedeckt sind. So sollen alte Sorgen ausgemistet und Platz für Gutes geschaffen werden.
Für diesen Zweck wird auch gerne mal ins Meer gesprungen, um rein gewaschen ins neue, erfolgreiche Jahr zu starten.

Hawaii
Im Zentralpazifik feiern die Menschen in Hawaii als letzte den Start ins neue Jahr. Gute Vorsätze werden hier schon beim Essen gemacht. Denn, wie der Hawaiianer sagt: Ein gutes Essen bringt eine gute Zukunft.
Und an Speisen wird am Silvesterabend auf Hawaii nicht gespart. Es werden eine Reihe von Gerichten aus aller Welt aufgetischt, die Glück mit sich bringen sollen. Sashimi, also roher Fisch und Meeresfrüchte sowie Thunfisch sind Teil davon. Doch die Hawaiianer holen sich noch mehr japanische Einflüsse für ihr Neujahrsfest. Eine feste Tradition an Silvester ist in Hawaii das Essen von kleinen Reiskuchen, dem sogenannten Jook. Unter tobendem Applaus wird um Mitternacht nicht nur das Feuerwerk gezündet. Auch der Reis wird in winzigen Schüsseln serviert, mit Hühnchen und Gemüse garniert und um kurz nach Mitternacht gegessen. Da kann das neue Jahr ja nur ein Erfolg werden.

Dänemark
Unsere Nachbarn in Dänemark verbringen Silvester gar nicht so anders, als wir es tun. Sie hören die Neujahrsansprache ihrer regierenden Königin, sitzen gemütlich mit Freunden und Familie zusammen, tischen üppig Essen auf und schalten kurz vor Mitternacht den Fernseher an, um gemeinsam den Countdown herunter zu zählen. Doch anders als bei uns wird sich um Punkt zwölf Uhr nicht einfach umarmt und ein Frohes Neues gewünscht. Die dänische Tradition lässt die Feiernden mit einem Stück ihres berühmten Marzipankuchens in der Hand auf einen Stuhl steigen, um gemeinsam ins neue Jahr zu hüpfen.
Das Feuerwerk wird in Dänemark nach guter, alter Silvestertradition übrigens zeitgleich mit Deutschland gezündet. Na dann: Godt Nytår!